Wort-Gottes-Feier
Christlicher Glaube ist ohne Gebet und Gottesdienst nicht vorstellbar. Das Glaubenszeugnis der Glaubenden in Wort und Tat gründet und empfängt seine Kraft und Lebendigkeit aus der Verbundenheit und der Begegnung mit Gott.
Dabei ist es Gott, der zuerst auf uns zukommt. Er hat uns beim Namen gerufen und angesprochen. Deshalb ist unser Beten immer Antwort auf Gottes Anruf und sein Wort. Er hat sich uns Menschen offenbart und zu uns gesprochen – in der Geschichte Israels, vor allem aber und in unüberbietbarer Weise in seinem Sohn Jesus Christus.
Auch heute spricht er zu uns im Wort der Heiligen Schrift, die nicht zuletzt deshalb Richtschnur unseres Glaubens und Quelle unseres Gebetes ist. Gerade weil sich Gott als personaler Gott gezeigt hat, können wir mit ihm sprechen und dürfen im Heiligen Geist „Vater“ sagen.
Wort-Gottes-Feier: Das Konzil hat eigene Wortgottesdienste empfohlen. Einen solchen eigenständigen Wortgottesdienst nennt man in Abgrenzung vom Wortgottesdienst der Messe und anderer sakramentlichen Feiern im deutschen Sprachgebiet mittlerweile Wort-Gottes-Feier. Stärker als innerhalb der Messfeier kann bei solchen Wort-Gottes-Feiern den Schriftlesungen und ihrer Auslegung Raum gegeben werden. Vor allem wenn keine Messfeier möglich ist, können sie an Werktagen und in den vom zuständigen Diözesanbischof näher zu bestimmenden Notfällen auch an Sonntagen gefeiert werden.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh 1,1)
In Jesus von Nazaret ist Gottes Wort Fleisch geworden (vgl. Joh 1,14). In seinem Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen sagt sich Gott aus.
Die Wort-Gottes-Feier stellt das Wort Gottes in die Mitte und macht darin deutlich, dass auch im Wort die Gegenwart Gottes erkennbar und vernehmbar ist.
Was Jesus gesagt und machtvoll getan hat und alles, was die Kirche in seinem Auftrag und in der Kraft des Heiligen Geistes tut, ist Gottes Dienst am Menschen.
Gott richtet sein Wort an den Menschen und der Mensch gibt darauf seine Antwort. So ist Gottesdienst immer ein dialogisches Geschehen zwischen Gott und Menschen im Tun und in Worten, im Sprechen, Hören und Antworten.
CHRISTUS ist seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen.
Gegenwärtig ist er im Opfer der Messe sowohl in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht ..., wie vor allem unter den eucharistischen Gestalten. Gegenwärtig ist er mit seiner Kraft in den Sakramenten, so dass, wenn immer einer tauft, Christus selber tauft.
Gegenwärtig ist er in seinem WORT, da er selbst spricht, wenn die heiligen Schriften in der Kirche gelesen werden.
Gegenwärtig ist er schließlich, wenn die Kirche betet und singt, er, der versprochen hat: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20).
Christus ist gegenwärtig in der gottesdienstlichen Versammlung und gewährt den Gläubigen Anteil an seinem Pascha-Mysterium. So ist Gottesdienst zu verstehen als Gottes Dienst am Menschen, als Liturgie. (Das griechische Wort „Liturgie“ - aus: leiton ergon = Dienst am Volk - bezeichnet eine öffentliche Dienstleistung.) Eindrucksvoll hat die Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland die verschiedenen Aspekte zusammengefasst. (Synodenbeschluss Gottesdienst 1)
„In der Liturgie wurde immer die Gegenwart Jesu Christi im Wort gefeiert. Man sprach von dem zweifachen Tisch, dem Tisch des Wortes und dem Tisch des Leibes Christi. Der heilige Augustinus bezeichnete das Wort als hörbares Sakrament. Zu ihrer vollen Bedeutung gelangte diese Überzeugung freilich erst in neuerer Zeit. Anregungen durch die reformatorischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften trugen mit dazu bei. Das II. Vatikanische Konzil brachte die Überzeugung von der Bedeutung des Wortes Gottes klar zum Ausdruck.
Die Messe am Sonntag ist der Höhepunkt des Lebens einer christlichen Gemeinde. Wenn aber weniger Priester zur Verfügung stehen, um mit den Gemeinden die Eucharistie zu feiern, stellt das in einer wachsenden Zahl von Gemeinden den Sonntagsgottesdienst selbst in Frage.
Ist die Teilnahme an einer anderen Messfeier nicht möglich, so soll die Pfarrgemeinde am Sonntag zu einer Wort-Gottes-Feier zusammenkommen, um die Gegenwart des Herrn in seinem Wort zu feiern – eingedenk des Herrenwortes: „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
Tagzeitenliturgie
„Betet ohne Unterlass!“ (1 Thess 5,17) Diese Mahnung des Apostels Paulus erfüllt die Kirche in Fortführung der jüdischen Tradition in der Feier der Tagzeitenliturgie. Sie ist ältester täglicher Gottesdienst der christlichen Gemeinde und empfiehlt sich vor allem auch am Sonntag neben der Feier der Eucharistie bzw. der Wort-Gottes-Feier. Am Abend, am Morgen, vielfach auch am Mittag oder in der Nacht, an Angelpunkten des Tages, kommen Gläubige zum Gebet zusammen. Dies kann eine Hilfe zur Gestaltung des persönlichen Tagesablaufs sein, eine Zeit, die zur Ruhe und zum Innehalten einlädt. Durch das Gebet in Gemeinschaft lässt sich Kraft finden für den Alltag und Solidarität im Glauben erfahren. Alle, die als Einzelne oder in Gemeinschaft die Tagzeitenliturgie feiern, erfüllen durch ihr Dasein vor Gott in Lobpreis und Bitte den Auftrag Jesu Christi und seiner Kirche. In vielen Gemeinden wird die gemeinsame Feier der Tagzeitenliturgie wieder entdeckt. In den beiden Hauptgebetszeiten am Morgen und am Abend, in Laudes und Vesper, bezeugt die feiernde Gemeinde die Gegenwart des österlichen Heils: Mit der aufgehenden Sonne empfängt sie den neuen Tag. Im Zeichen der Sonne gedenkt sie der Auferstehung ihres Herrn, sie feiert ihn, die Sonne ihres Heils. Am Abend, in die untergehende Sonne hinein, verabschiedet sie der zu Ende gehenden Tag. Dabei gedenkt sie des Todes ihres Herrn, des Abendopfers seines Lebens.
Das Taizé-Gebet, wie es in der Gemeinschaft von Taizé oder gelegentlich am Sonntagmorgen in der Kirchengemeinde gefeiert wird, ist eine ökumenische Form der Tagzeitenliturgie.
Wort-Gottes-Feier
Neben der Tagzeitenliturgie kennt die Kirche die Wort-Gottes-Feier als eigenständige Gottesdienstform.
An Werktagen
Das Zweite Vatikanische Konzil empfiehlt nachdrücklich solche Gottesdienste vor allem für die Werktage der geprägten Zeiten (Advents- und Weihnachtszeit, Fasten- und Osterzeit) Eine sehr alte Form der Wort-Gottes-Feier hat sich in der Liturgie des Karfreitags erhalten.
An Sonntagen
Seit den Tagen der Apostel versammeln sich die Christen am ersten Tag der Woche zur Feier der Eucharistie, die für sie unverzichtbar ist. Der Mangel an Priestern hat auch hierzulande dazu geführt, dass die sonntägliche Eucharistiefeier nicht mehr in jeder Gemeinde möglich ist. Dabei muss klar bleiben: Zur Eucharistiefeier gibt es keine Alternative. Es ist nicht so, als könne man zwischen zwei gleichwertigen Möglichkeiten wählen. Das muss spürbar sein. Eine Wort-Gottes-Feier soll nur dort an die Stelle der sonntäglichen Messfeier treten, wo die Eucharistie nicht gefeiert werden kann und der nächste Ort, an dem die heilige Messe gefeiert wird, unzumutbar weit entfernt ist. Die Regelung dafür trifft der jeweilige Diözesanbischof. In jedem Fall bleibt es aber Ziel und Aufgabe der Kirche, darauf hinzuwirken, dass jede Pfarrgemeinde auch in Zukunft die sonntägliche Eucharistie feiern kann.









