Verschiedene Formen der Versöhnung

Gelegenheiten und Formen der Versöhung

 

Anregungen für Katholiken nach einem evangelischen Gesangbuch für den Gottesdienst

Sein Gewissen zu entlasten, zu sehen, zu spüren, was mir weh getan hat, was mich verletzt hat, was mich bedrückt, was mir leid tut, wo ich schuldig geworden bin und dies beim Namen zu nennen, auszusprechen, mit jemanden darüber zu sprechen, zu beichten kann sehr gut tun. Feste, besondere Zeiten, Ereignisse können Anlass dazu sein. Advent - Fastenzeit - Geburtstage - Hochzeitstage - Feier der Erstkommunion in der Familie - Urlaub - Abschied. Dafür gibt es viele Möglichkeiten.

Die "innere Beichte"

Im persönlichen Beten (zu Hause in einer stillen Ecke, bei einem Spaziergang, in einer Kirche) breiten Christen ihr Leben vor Gott aus, sind dankbar für das Gute im Leben und nehmen die eigene Schuld wahr. In der Stille, mit sich und Gott allein, nennen sie Gott ihre persönlichen Verfehlungen - nicht allgemein, sondern genau. Eine Hilfe kann es dabei sein, dies aufzuschreiben, um es dann vor Augen zu haben Bei einem solchen Beten machen sich Christen bewusst, dass vor den Engeln Gottes Freude sein wird über einen Sünder, der Buße tut« (Lukas 15,10). In der Erinnerung an Gottes Liebe können die Betenden zu der Gewissheit gelangen, dass Gott sie von ihrer Schuld lossagt.

Die Feier der Versöhnung - "Bußfeier"

Vor den großen Festtagen Ostern und Weihnachten erleben wir in den Pfarrgemeinden die Feier der Versöhnung - Bußfeier. Lieder, Schriftlesungen, Besinnungsfragen und lange Zeiten der Stille schaffen Raum für die persönliche Besinnung. Alle in der Gemeinschaft bekennen, dass sie Gutes unterlassen und Böses getan haben. Die Bitte an Gott um Vergebung, soll Vertrauen wecken, dass Gott uns vergeben wird und die Bereitschaft wecken einander zu vergeben. Am Beginn des Gottesdienstes am Sonntag sind wir zur Besinnung und zum Bekenntnis der Schuld eingeladen. Die Bitte um Vergebung soll unser Herz frei machen. So können wir Gott und einander im Gottesdienst begegnen.

Das Gespräch unter Menschen, die sich vertrauen

Manches lässt sich nicht im stillen Beten bereinigen und eine gemeinschaftliche Feier der Versöhnung bleibt oft zu allgemein. Manches belastet die Seele so sehr dass erst das Reden darüber weiterhilft. Einem vertrauten Menschen zu sagen, was einem belastet, kann helfen. Und oft, wäre es gut, sich bei jemanden persönlich zu entschuldigen. Dabei verpflichten sich beide zur Verschwiegenheit. In einem Gebet können sich dann beide an Gott wenden.

Die Feier der Versöhnung für Einzelne - Beichtgespräch

Und es kann heilsam sein, das was ich im persönlichen Gebet erkannt habe, was mir bei der Feier der Versöhnung aufgegangen ist, im Bußsakrament - in einem Beichtgespräch zu bekennen. Ein Beichtgespräch ist ein Angebot, über erkannte eigene Schuld zu sprechen und Gottes Vergebung im persönlichen Zuspruch zu erfahren. Ein solches Gespräch steht immer unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Der Priester, der dabei zugegen ist, soll zuhören und mir helfen zu größerer Klarheit zu kommen, er soll mir die Gewissheit geben, dass dies vor Gott ausgesprochen ist und mir durch die Lossprechung Gottes Güte verbindlich zusprechen. So wird ein solches Gespräch zu einem Zeichen - zum Sakrament - dass Gott mich mit all meinen Licht- und Schattenseiten liebt. Die Zeiten und die Orte für die Feier der Versöhnung oder für ein Beichtgespräch sind in den Pfarrbriefen, in den Verkündblättern angegeben. Und jeder Priester ist auf Wunsch jederzeit zu einem Beichtgespräch bereit.

(Siehe Evangelisches Gesangbuch für Bayern und Thüringen, S.1513)